Ja, aber....! Diskutier-Club gefällig?

Kaum schalten wir den Fernseher ein, sehen wir auch schon Menschen mit hitzigen Köpfen in Diskussionsrunden sitzen, die sich gegenseitig ins Wort fallen und dem anderen bisweilen gar nicht mehr zuhören, da sie selbst so sehr in die eigene Argumentation verstrickt sind und unbedingt die besseren und schlagkräftigeren Fakten zu haben glauben.

Im Fernsehen ist das zwar manchmal schon schwer erträglich, wenn sich das ganze Geschehen jedoch an den eigenen Frühstückstisch verlagert, wird es schon brenzliger, da die Stimmung in den Keller rutsch und es letztendlich einen Gewinner und einen Verlierer gibt. (Oder gibt es sogar zwei Verlierer...?)

Jetzt könnte man sagen: "Na, so heftige Diskussionen gibt es bei uns nicht ...und so lange das ganze sachlich bleibt ist doch alles in Butter...!" Aber wie schnell wird eine Austausch über die Frage: "Fahren wir ans Meer oder in die Berge?", "zu welcher Schule geht unser Kind?" , "Essen wir zukünftig vegan oder weiterhin Fleisch?" oder "Schaffen wir uns ein Haustier an oder nicht...?" zum Schlag-Abtausch und mündet in ein heftiges Wortgefecht. Wir erkennen das leicht an den zwei kleinen Wörtchen..."ja, aber!"

 

"In den Bergen kann man viel besser wandern....!"   - "Ja, aber am Meer ist die Luft besser und man kann da auch schwimmen..!"

"In der xy Schule, gibt es aber drei Fremdsprachen zur Auswahl!" - "Ja, aber das muss der Junge ja mit dem Bus fahren....!"

"Ich finde ja vegane Ernährung schenkt ausreichend Vitamine...!" - "ja, aber Fleisch schmeckt viiiiel besser...."

Okay...genug Bespiele. Ich glaube, wir kennen das alle. Die Spirale nach unten in die Lösungslosigkeit nimmt ihren Lauf.

Was passiert da eigentlich? Und welche Haltung versteckt sich dahinter? Wenn wir so argumentieren, möchten wir natürlich mit unserer Meinung ernst genommen werden und wir wollen andere überzeugen. "Meins ist besser als deins!" lautet da die Devise.

Ich muss nur genügend "gute" Argumente finden, dass muss der andere ja kapieren, das meins die bessere (richtige) Idee ist.

Und dann geht es blitzschnell auch nicht mehr um Sachlichkeit, sondern um Schubladen, in den wir den anderen stecken. "Du machst sowieso immer nur dein Ding!", "mit dem kann man einfach nicht reden", "Du willst immer nur recht haben" (Und wir selbst?) ....

 

Leider bleibt bei dieser Form der Diskussion die Verständigung und ein echtes Miteinander völlig auf der Strecke. Die Argumente des anderen werden jeweils vom Tisch gefenstert und Satz um Satz  verhärten sich  die Fronten. Menschen wenden sich voneinander ab anstatt zu. Und zwar so heftig, dass wir an der Idee des anderen das komplette Interesse verlieren und uns nur noch auf uns selbst fokussieren. Gemeinsame Lösung - ausgeschlossen!

 

Was könnte da also helfen?

Wir könnten uns versuchen, auf Augenhöhe zu begegnen. Das würde bedeuten: "Meins ist wichtig UND deins ebenfalls."

Ich habe Wünsche, Bedürfnisse, Ideen. Du auch. Beides ist gleichwertig und kann stehen gelassen werden. Aus dieser Haltung entspringt der Wunsch, die Sichtweisen des anderen wirklich hören zu wollen und Interesse und Mitgefühl dafür aufzubringen. Übringens: verstehen heißt nicht gleichzeitig einverstanden zu sein. Verstehen heißt, die Ideen und Beweggründe des anderen erkennen zu wollen. Welches Bedürfnis steckt möglicherweise sogar hinter diesem Wunsch?

 

"In den Bergen kann man viel besser wandern!"   -  "Aha, dir ist es also wichtig, dass Du dich im Urlaub bewegst und aktiv bist? Gleichzeitig möchte ich allerdings gerne ans Meer, weil ich dort schwimmen kann und die Luft besser ist!"

"Ach so, dir ist es wichtig, dich auch mal abzukühlen und zu erfrischen?" Gleichzeitig ist doch Wandern im Gebirge so gesund!"

"Okay, Bewegung an der frischen Luft macht dir Spaß und ist dir wichtig, um gesund zu bleiben..."

 

Wenn wir uns auf diese Art und Weise austauschen, bewegen wir uns deutlich aufeinander zu, wir fangen an, den anderen zu verstehen und betreten einen Raum voller neuer Perspektiven und Lösungsmöglichkeiten. Das macht deutlich mehr Spaß, verbindet und befreit gleichzeitig. Eng wird es immer dann, wenn wir wieder in die alte Haltung abrutschen. Das merken wir dann aber schnell!

 

Wir wünschen Euch viel Freude beim Experimentieren!

 

Bild: pixabay

 

 

 

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