Auf dem Vulkan tanzen ... Umgang mit Wut & Ärger

„Wütend bin ich eigentlich nie“, sagen manche Menschen. Allerdings kennen die meisten jemanden in Ihrem Umfeld, der – wenn’s drauf ankommt – so richtig ausflippen kann und allen Dampf vom Kessel lässt. Also ist Wut und Aggression doch irgendwie präsent. Auf Schulhöfen, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf der Straße hört man Jugendliche, die ihre Aggression sprachlich – ganz schön ungefiltert – dem Gegenüber an den Kopf schmettern.

 

Aggression kann sich heftig nach außen ausdrücken. Wut kommt schnell. Schnell machen wir ihr Luft. Und dann fegen wir die Scherben zusammen.

 

Oder sie richtet sich nach innen. Sie hat enorme Energie, die irgendwo hin will und Dinge in Gang bringen möchte. Es hilft nichts, die Wut zu unterdrücken. Das kann krank machen. Anderen den Kopf zu waschen, bringt ebenfalls nur Frust und Zwietracht. Wut ist eine Emotion, die jeder hat, allerdings nimmt sie jeder anders – manchmal sogar gar nicht – wahr.

 

 

Wut ist gut

 

 

Unsere Wut möchte uns etwas sagen. Sie ist ein Alarmsignal und zeigt uns,  was wirklich wichtig ist.
Die Wut darf sein. Es ist  gut, innezuhalten, die Wut wahr-  und ernst zu nehmen und die Botschaft hinter der Wut zu erkennen und zu deuten. Allerdings ist der Vulkan meist schneller ausgebrochen, als wir innehalten können. Bewusstheit auf allen Ebenen und bevor ich wütend werde hilft, die Dinge im Akut Fall zu händeln und auch im Ärger klar und wertschätzend zu bleiben. Wie schaffe ich denn Bewusstheit auf allen Ebenen? Und um welche Ebenen geht es dabei genau? Wer in der Lage ist, auch im Alltag – seine Freude, Dankbarkeit und Begeisterung und die erfüllten Bedürfnisse dahinter wahrzunehmen trainiert für den Ärgerfall. Er kann dann auch  im Schmerz – also bei Ärger und Wut – besser erkennen,  was ärgerlich macht und welche Gedanken und unerfüllten Bedürfnisse dahinter stecken. Je klarer ich mich und andere innerlich verstehe, desto klarer kann ich auf den Punkt bringen, was mich stört und was mich freut. So kann ich ausdrücken was wirklich wichtig ist, so dass ich verstanden werde, ohne andere zu verletzen. Das braucht nur etwas Übung und Geduld.

 

 

Wut tut weh

 

 

Wenn Menschen auf uns wütend sind und uns Ihr Ärger verbal, körpersprachlich oder auf andere Art und Weise entgegenschwappt, kann das sehr verletzend sein. Das ist vermutlich der Grund, warum manche Menschen dann lieber gar nichts sagen. Aber auch Schweigen verletzt. Und es bringt nicht auf den Punkt, worum es im Ärger geht. Es kann keine Verständigung hergestellt werden. Wenn jemand sagt: „dann sage ich besser gar nichts mehr“ oder „da war mit der Kommunikation Funkstille“ stimmt das nicht wirklich. Denn Kommunikation findet auch statt, wenn wir schweigen. Allerdings lässt das besonders viel Spielraum für Interpretation, was in Ärger- und Streitsituationen besonders kontraproduktiv ist.

 

 

 

Wut braucht Mut

 

 

Die Erfahrungen, die wir bisher mit anderen Menschen in Ärgersituationen gemacht haben rauben uns sowohl Kraft als auch Mut. Auf Dauer schwindet das Vertrauen in uns und in andere, das wir Kommunikation auch zielführend gestalten können. Wir sind mit Ängsten konfrontiert und Gedanken wie: „mit dem hat es sowieso keinen Sinn“ oder  „ich habe alles getan, aber letztendlich versagt“. Um neue und vor allem positive Kommunikations-Erfahrungen mit anderen Menschen machen zu können, brauchen wir immer wieder Mut, um Dinge erneut anzugehen.  Anstelle den anderen  fallen zu lassen, wie eine heiße Kartoffel, können wir den Dialog – nach einer kurzen Regenerationspause – wieder aufgreifen. Ganz im Sinne von aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wer dran bleibt und immer wieder neuen Mut und neue Hoffnung schöpft, kann neues wagen und gewinnen. Was denn gewinnen? Na, zum Beispiel: Verständnis auf allen Seiten, ein harmonisches und friedliches Miteinander, Kooperationsbereitschaft, Wertschätzung für sich und andere…und noch so einiges mehr. Das macht doch Mut, oder?

 

Bild: pixabay

 

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