Konstruktriver Umgang mit Ärger und Wut

Ärger kommt häufig dann auf, wenn Vereinbarungen und Absprachen nicht eingehalten werden oder wenn Kritik auf taube Ohren stößt. Z. B. soll das Kind ordentlich seine Hausaufgaben machen, der Partner die Hausarbeit erledigen oder die Kollegin oder Mitarbeiterin zu einem effizienteren Arbeitsalltag beitragen.

 

Die Ärgerfalle schnappt schnell und heftig zu, begleitet von verurteilenden Gedanken wie „Der ist ja total uneinsichtig und kritikunfähig!“ Überflutet von diesen Gedanken und Gefühlen werden Dinge gesagt, die oft alles nur noch viel schlimmer machen. Der Ball „wer hat Schuld?“ wird hin und her geworfen bis der Streit schlussendlich eskaliert.

Damit Kritik auf offene Ohren stößt, sind einige wesentliche Aspekte zu beachten:

 

1. Erkennen Sie die wesentliche Chance, die im Ärger liegt

 

Ärger ist gut! Betrachten Sie Ihren Ärger als etwas Nützliches, als etwas, dass Sie weiter bringt. Ärger ist ein Warnsignal, eine Art Meldesystem, um zu bemerken, dass gerade etwas ganz Wesentliches fehlt. Er zeigt Ihnen an, wenn Wünsche und Sehnsüchte, wie z.B. Verständnis, gehört werden, Respekt, Effektivität oder Kooperation unerfüllt bleiben und fordert Sie auf, Abhilfe zu schaffen.

 

Fragen Sie sich doch einmal selbst:

 

Wie denken Sie eigentlich über Ärger und Wut? Wozu sind diese Gefühle gut? Nutzen Sie bereits die Chance, die im Ärger liegt? Wandeln Sie schon Ärger und Wut in positive, konstruktive Energie?

 

2. Drücken Sie die innere Stopptaste

 

Wenn das Warnsignal „Ärger und Wut“ angeht, braucht es anfangs etwas Übung, um überhaupt zu erkennen, was tatsächlich hinter dem Ärger steckt. Dabei ist es wichtig, den Blick von Vorwürfen und Erwartungen an den anderen wegzulenken, hin zu den eigenen Bedürfnissen. Starke Emotionen, wie Ärger und Wut, blockieren allerdings das Wahrnehmen und Ausdrücken von dem, was eigentlich wichtig ist. Das führt dazu, dass der Dialog sich ausschließlich um Vorwürfe und Schuldzuweisungen dreht und letztendlich zu nichts führt. Aus dieser Spirale gilt es auszusteigen, damit sich die Chance, wirklich gehört und verstanden zu werden, erhöht.

 

Unser Tipp: Drücken Sie die innere Stopptaste und unterlassen Sie weitere Vorwürfe, Schuldzuweisungen und Forderungen.

 

3. Wechseln Sie die Perspektive und sprechen Sie von sich

 

Sobald es gelungen ist, die innere Stopptaste zu drücken, empfehlen wir Ihnen, in den „Reflexionsmodus“ zu schalten. Hier bewegen Sie bitte die nachstehenden Fragen:

 

a.) Was sehe ich/höre ich?

 

Hierbei geht es um die sinnliche Wahrnehmung der Situation auf sachlicher Ebene. Unser Tipp: Trennen Sie Beobachtungen von Bewertungen und lassen Sie Interpretationen und eigene Gedanken weg. Bedienen Sie sich dabei des „Kamerablicks“ und nehmen Sie ausschließlich wahr, was eine Kamera gerade aufzeichnen würde. Nur diese Wahrnehmung wird ausgedrückt.

 

b.) Welche Gefühle stecken hinter meinem Ärger?

 

Ärger und Wut tauchen selten allein auf. Sie überdecken die sog. „Primärgefühle“, wie z. B. frustriert, hilflos, angespannt, gestresst o.ä.

 

Primärgefühle sind dabei als Wegweiser zu unseren Bedürfnissen zu betrachten. (hilflos => z. B. Wunsch nach Unterstützung

 

c.) Was ist mir gerade wichtig? (Bedürfnis)

 

Dabei geht es nicht um vorgefasste Ideen und Wege zur Bedürfniserfüllung (z. B. „die soll jetzt endlich aufräumen“), sondern um antreibende Motive, wie z. B. Anerkennung, Kooperation, Akzeptanz, Respekt, Entwicklung, Fürsorge etc.)

 

d.) Was kann ich oder mein Gegenüber tun, um mein Bedürfnis zu erfüllen?

 

Wenn ich dem anderen meine Bedürfnisse und Motive dargelegt habe und dieser die Hintergründe versteht, erhöht dies seine Bereitschaft, mit mir an einem Strang zu ziehen.