Mit Gedankenhygiene gegen Konflikte und Gewalt

Neulich fragte mich in einem unserer Workshops zur Gewaltfreien Kommunikation eine Teilnehmerin:

 

„Gibt es eigentlich einen wissenschaftlich nachgewiesenen Zusammenhang zwischen Sprache und Gewalthäufigkeit, also zwischen der Art und Weise, wie wir miteinander sprechen und menschlicher Gewaltbereitschaft? Und was steckt laut Forschung eigentlich hinter körperlicher oder verbaler Gewalt und wo fängt diese an? ...

Diese Fragen faszinieren mich selbst ebenfalls schon seit längerer Zeit.

 

Der Psychologieprofessor O.J. Harvey forschte dazu an der Universität von Colorado. Er fand heraus, dass es einen starken Zusammenhang zwischen dem häufigen Gebrauch von andere Menschen abstempelnden und verurteilenden Worten und gewalttätigen Vorfällen gibt. Menschen in Schubladen von gut und schlecht, fleißig und faul, richtig und falsch zu stecken sowie der Glaube, dass es die „Schlechten“ verdienen, bestraft zu werden, fördert also die Anwendung von Gewalt. Diese Denkweise wird uns ja auch häufig im Fernsehprogramm, in Helden und Märchengeschichten suggeriert.

 

Andrew Schmookler beschäftigte sich im Fachbereich Konfliktlösung an der Harvard Universität ebenfalls mit diesem Thema. Er kam zu dem Schluss, dass hinter aller Gewalt egal ob physisch, psychisch oder verbal, ob in der Familie, am Arbeitsplatz oder unter Nationen- eine bestimmte Art von Denken steht. Diese Art des Denkens beinhaltet, dass der Konflikt darauf zurückzuführen ist, dass der „Gegner“ im Unrecht ist und sich folglich falsch verhält. Wenn sich andere Menschen nicht unseren Wünschen entsprechend verhalten, urteilen wir schnell moralisch über das, was sie sind und tun und unterstellen ihnen, dass sie gerade wohl „nicht richtig ticken“. Gedanken wie: “Wenn du endlich einsehen würdest, dass du im Unrecht bist, dann hätten wir das Problem gar nicht.“ Oder: “Das Problem mit dir ist, dass du einfach zu faul bist.“ überfluten uns dann häufig schnell und unbewusst.

 

Wie wäre es, wenn wir uns stattdessen in schwierigen Situationen, bei Meinungsverschiedenheiten und Konflikten einmal bewusst fragen, was wir selbst und unser Gegenüber eigentlich gerade fühlen, befürchten, ersehnen, vermissen…?

 

Wie wäre es, wenn wir statt moralischer Urteile einmal direkt unsere Bedürfnisse und Werte benennen, also dass, was wirklich wichtig ist? Und wie wäre es, wenn wir einmal nicht den Blick auf das Fehlverhalten oder die vermeintlich immer „böse Absicht“ anderer richten, sondern sie stattdessen in ihrer Würde annehmen und wertschätzen und gute Gründe hinter ihrem Verhalten vermuten?

 

Aus den Gedanken erwächst das Wort.

Aus dem Wort entsteht die Tat.

Aus der Tat entwickelt sich die Gewohnheit.

Aus der Gewohnheit wird ein Charakterzug.

-Achte deshalb sorgfältig auf deine Gedanken und ihre Wege.

Und lass sie aus der Liebe entspringen,

aus der Achtung vor allem Lebendigen.-

Buddha

 

Buddha drückt aus, dass der Ursprung aller Gewalt und Anti Gewalt in unserer inneren Haltung zu uns selbst und anderen zu finden ist, das heißt in unseren Gedanken und in unserer bewussten Entscheidung, wie wir uns und andere sehen, annehmen und wertschätzen wollen. Wir haben es also ein gutes Stück weit selbst in der Hand – vorausgesetzt wir sind wachsam und achtsam in unserem Denken und im Ausdruck unserer Gedanken.

 

 

Anja Voigt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentare: 1 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Birgit Wolters Beratung im Wandel (Donnerstag, 16 April 2015)

    Was für ein wunderbarer Gedanke. Ich selber versuche nach meiner Ausbildung zur Mediatorin, mit dem Schwerpunkt zur Gewalttfreien Kommunikation, deutlich mehr auf meine Worte und Gefühle zu achten und sehe es als starke Herausforderung an. Nach diesem Text werde ich noch mehr darauf achten und andere darauf hinweisen. Vielen Dank Birgit Wolters