Wozu nur immer diese Wut?!

Ärger und Wut - wir können sie einfach nicht so einfach ignorieren. Immer wieder stellen wir fest, dass sie wohl als Teil einer Art Grundausstattung unseres Menschseins zum Leben dazu gehören.  ...

Wir fühlen es direkt körperlich, wenn sie uns überfallen. Zum Beispiel, wenn wir im Büro wieder einmal zum Kaffeekochen oder Kopieren verdonnert werden. Oder wenn wir mit jemandem zusammen leben, der oder die überall in der Wohnung ein wüstes Chaos verbreitet ohne jemals auch nur daran zu denken, etwas wegzuräumen oder sauber zu machen. Vielleicht läuft unser Gesicht rot an oder unser Herzschlag rast und beurteilende Gedanken über den anderen überfluten uns blitzschnell. „Der nutzt mich nur aus, weil er selbst zu faul zum Kaffeekochen ist!“ oder „Der Andere sollte doch ordentlicher sein!“ Oft sagen wir in unserem Ärger dann Dinge, die alles noch viel Schlimmer machen. Und dann fragen wir uns: „Wozu ist die nur gut, diese Wut?“

 

Nehmen wir einmal an, wir könnten mit dem Thema in einer anderen, viel produktiveren Weise umgehen. In einer Weise, in der es nicht darum geht, Ärger und Wut in unsere innere Besenkammer einzusperren, sie uns schön zu reden oder unser Gegenüber anzubrüllen, sondern bis an ihre Wurzel zu gehen und sie zu nutzen als Schatzkiste, als etwas, was uns zu dem bringt, was gerade wirklich wichtig ist, etwas wirklich Wertvollem. Und nehmen wir weiter an, das störende Verhalten des anderen wäre lediglich der Auslöser für unsere Wut, aber nicht die Ursache. Finden wir diese dann nicht vielmehr, wenn wir uns tiefer auf die Wut einlassen und einen Blick auf das werfen, was uns durch das störende Verhalten unseres Gegenübers gerade abhandengekommen ist?

 

In den oben genannten Beispielen hieße das, dass der „Kaffeekocher“ vielleicht Anerkennung seiner beruflichen Fähigkeiten und Wertschätzung für seine Arbeit braucht, während dem von Unordnung Gebeutelten vielmehr Ordnung und Sauberkeit abhandengekommen sind.

 

Ärger und Wut und alle bewertenden Gedanken, die wir bei störendem Verhalten über den anderen haben - ich nenne sie Wolfsgedanken - sind so etwas wie unsere Alarmglocken, unser Meldesystem, wenn es darum geht, überhaupt zu bemerken, dass uns gerade etwas Wesentliches fehlt. Sie sind unsere Wegweiser zu uns selbst und unsere Handlungsaufforderung. Wenn wir sie würdigen, können wir sie in konstruktive Energie umwandeln und für unsere Bedürfnisse eintreten.

 

Aber was kann diese Erkenntnis den beiden Personen im obigen Beispiel bringen? Wenn sie sich selbst verstehen, d.h., wenn sie Klarheit haben über das was hinter ihrem Ärger steckt, gewinnen sie Entspannung und Gelassenheit. Wenn sie sich innerlich entspannt haben, können sie dem anderen gegenüber offen und ehrlich ausdrücken, was ihnen wirklich wichtig ist, ganz ohne Vorwürfe und Schuldzuweisungen. Damit erhöhen sie ihre Chance mit ihrem Anliegen bei dem anderen auf offene Ohren zu stoßen.

 

Nur wer weiß, was er wirklich braucht, kann es auch bekommen.

 

Herzlichst, Anja Voigt

Kommentare: 0 (Diskussion geschlossen)
    Es sind noch keine Einträge vorhanden.